Lehre: Frühere Semester

Die Lehrveranstaltungen zum jeweils aktuellen Semester finden Sie auf einer eigenen Seite.

Zuständigkeit/Arbeitsschwerpunkte

Soziologische Theorie, Biographieforschung, Thanatologie, Alternsforschung, Qualitative Sozialforschung

Übersicht

Sommersemester 2014

Seminar: Übersetzungsverhältnisse Theorie und Praxis der Perspektivendifferenz (gemeinsam mit Armin Nassehi)

2-stündig, Mi 10-12 Uhr, Konradstraße 6, 208

Funktionale Differenzierung und Perspektivendifferenz sind Grundtheoreme einer Beschreibung der modernen Gesellschaft. Gleichzeitig ist jedoch für eine moderne Mediengesellschaft davon auszugehen, dass Selbstverständigungsdiskurse über die Lebensführung nicht nur mehr Betroffene produzieren, sondern auch mehr Experten, die als Professionsvertreter medizinische, rechtliche, religiöse, philosophische und politische Aspekte in den Vordergrund rücken. Dabei lässt sich beobachten, wie in diesem Nebeneinander von verschiedenen Perspektiven das Problem der Perspektivendifferenz selbst wieder auftaucht. Wie erklärt sich ein Mediziner die Bedeutung rechtlicher Fragen für seine Praxis? An welcher Stelle treffen rechtliche und religiöse Perspektiven aufeinander? Wie gehen Politiker mit dem Expertenwissen von anderen Professionen um? Vor allem aber: Wie erklären sich Experten, dass andere Experten eine andere Perspektive haben?

Im Anschluss an eine Auseinandersetzung mit den entsprechenden theoretischen Argumenten wollen wir mit Hilfe von Experten aus unterschiedlichen Kontexten die Praxis von Übersetzungsverhältnissen sichtbar machen. Die dafür vorgesehenen Themen sind: Palliativmedizin, Organtransplation und Beschneidung.

Übung: Einführung in die Religionssoziologie

2-stündig, Do 10-12 Uhr, Konradstraße 6, 209

Während man eigentlich angenommen hatte, dass das Religiöse in einer modernen Gesellschaft immer mehr verschwinden würde, lässt sich umgekehrt doch ein zunehmend größeres Interesse an unterschiedlichen religiösen Praxen erkennen. Aber was ist eigentlich das Religiöse an diesen religiösen Praxen?

Sowohl klassische Texte als auch aktuelle Auseinandersetzungen mit dieser Frage stehen im Mittelpunkt dieser Veranstaltung.

Übung: Soziologische Ethikforschung

2-stündig, Do 12-14 Uhr, Konradstraße 6, 309

Was ist Ethik? Ist sie immer gut? Warum gibt es davon in einer modernen Gesellschaft so viel?

Eine grundlegende soziologische Auseinandersetzung mit Ethik soll den Blick für den Unbedingtheitsanspruch ethischer Rede schärfen. Wir werden uns dafür auf soziologische Klassiker (Habermas und Luhmann), aber auch auf eine moderne Praxis des ethischen Diskutierens (Ethikkomitees) und ethischen Konsumierens (‚moralische Märkte‘) beziehen.

Wintersemester 2013/2014

keine Lehrveranstaltung(en)

Sommersemester 2013

Masterseminar: Führung, Hierarchie und Überleben in Organisationen (gemeinsam mit Prof. Nassehi)

4std. mit Arbeitsgruppen, Mi. 10-12 Uhr, Kon. 308

In einer Gesellschaft, in der egalitäre, partnerschaftliche Kommunikationsformen als Norm einer guten Verständigung gelten, erscheinen hierarchische Organisationsformen als zwar unvermeidbar, aber doch als Problem. Wie sich solche klassischen Elemente von Organisationen wie Führung und Hierarchie theoretisch und empirisch fassen lassen, ist Thema dieses Seminars. Wir werden uns damit beschäftigen, wie in Organisationen ein Alltag mit erwartbaren Abläufen, umstrittenen Entscheidungen, ungerechten Chefs und täglicher Improvisation entsteht – und wie es Organisationsmitgliedern dabei doch gelingt zu überleben.

Übung: Unterschiede. Einführung in die Kultursoziologie

2std., Do. 10-12 Uhr, Kon. 309

Als common sense eines modernen Verständnisses des Kulturbegriffs gilt vermutlich die Idee der Variabilität von kulturellen Formen und deren Legitimität. Dass Franzosen anders sind als Engländer, Westfalen sich von Bayern unterscheiden und Studierende der Soziologie anders aussehen als solche der Jurisprudenz erscheint aus dieser Perspektive wahlweise als Kuriosum – wenn darüber im Fernsehen berichtet wird – oder als Kulturkonflikt – wenn interkulturelle Kompetenz vermittelt werden soll. Über die Beobachtung von kulturellen Unterschieden hinweg entsteht aber auch die Frage nach der Erklärung dieser Unterscheidungspraxis. Am Beispiel klassischer Studien zum Symbolgebrauch, zur Distinktion, zur Entstehung von kulturellen Identitäten soll eben dieser Praxis der Unterscheidung nachgegangen werden, sollen Theorien der Herstellung von Unterschieden miteinander verglichen werden. Es werden klassische Texte zur Kultursoziologie gelesen, die im weiteren Studium zumeist vorausgesetzt werden.

Übung: Was ist Kaufen? Einführung in die Konsumsoziologie (unter Mitarbeit von Niklas Barth)

2std., Do. 12-14 Uhr, Kon. 309

Die Alltäglichkeit des Kaufens ist unvermeidbar und ein gemeinsames Charakteristikum aller Menschen einer modernen Gesellschaft. Welchen Anteil das Kaufen und Verbrauchen von Gütern in der Selbstbeschreibung von Menschen einnimmt, kann man kaum noch überschätzen. Fast scheint es so, als rücke der souveräne Konsument an die Stelle des souveränen Bürgers, der ja eigentlich doch die Grundausstattung moderner Gesellschaften ausmachen sollte. Wenn Konsumchancen vielleicht sogar wichtiger zu werden scheinen als politische Teilhabe, ist es umso spannender zu schauen, was Konsum denn eigentlich ist. Was ist eigentlich kaufen, wie entsteht das entsprechende Wissen über Produkte und welche Arten von Selbstbeschreibungen schließen sich an das Konsumieren an. In dieser Übung geht es also zunächst um ganz grundsätzliche Fragen, aber auch um empirische Einblicke in den Alltag des Konsums.

Übung: Übung zu Bachelor-, Master und Diplomarbeiten am Lehrbereich Nassehi

Fr. 10-13 Uhr, Kon. 301

Entsprechend der unterschiedlichen Theorie- und Methodenperspektiven der Lehrbereiche finden Abschlussübungen statt. Hier stellen Absolventinnen und Absolventen ihre Abschlussarbeiten zum jeweiligen Bearbeitungsstand vor. In der Gruppe werden die Untersuchungen und ihr Fortgang diskutiert. Dabei stehen – je nach Stand der Arbeit – Fragen der Themenspezifikation, Wahl der Methode, des strukturellen Aufbaus, der Literaturauswahl und schließlich der Interpretation der Ergebnisse im Vordergrund. Zudem behandelt die Übung weiterführende Literatur zu den Themenbereichen der Bachelorarbeiten. Die von den Studierenden zu haltenden Vorträge ermöglichen die Festigung der eigenen Präsentationskompetenz und schulen die Fähigkeit zur Argumentation. Die anschließende Diskussion hilft, den eigenen Forschungsprozess kritisch zu reflektieren. Wesentliche Arbeitsschritte des wissenschaftlichen Arbeitens werden semesterbegleitend vertieft.

Diese Übung ist nur für Studierende bestimmt, die am Lehrstuhl von Prof. Dr. Nassehi ihre B.A.-Arbeit/ M.A.-Arbeit bzw. Diplomarbeit verfassen und von Frau Dr. Saake betreut werden.

Wintersemester 2012/2013

Übung: Einführung in die Soziologie

Diese vorlesungsbegleitende Übung dient zur Vertiefung des in der Vorlesung erworbenen Wissens. Im Anschluss an die Vorlesung werden thematisch einschlägige Texte gemeinsam gelesen und aufbereitet. Der Umgang mit soziologischen Fachtermini und die selbstständige Anwendung des soziologischen Blicks stehen dabei im Vordergrund. Darüber hinaus besteht in dieser Übung ausreichend Gelegenheit, offen gebliebene Fragestellungen zur Vorlesung zu beantworten und weiterführende Fragestellungen zu entwickeln.

Seminar: Soziologische Theorien (gemeinsam mit Armin Nassehi)

4std, Mi. 10-12 Uhr, Konradstraße 6, 308

In diesem Seminar wird es darum gehen, soziologische Theorien systematisch als Zusammenhang von Bezugsproblem und Problemlösung zu rekonstruieren. Wir werden gemeinsam ausgewählte Texte sowohl der Klassiker als auch von Gegenwartsautoren lesen. In der Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern soll dabei ein Text mit einem in die Soziologische Theoriebildung einführenden Charakter verfasst werden. Wir suchen für diesen Zweck Gesprächspartner, die bereit sind, mit uns ein Lehrbuch zu schreiben. Besser als bei dieser Gelegenheit lässt sich vermutlich kaum lernen, wie man Texte – durchaus selektiv – im Hinblick auf Denkfiguren verstehen und interpretieren kann.

Diplomandenübung:

3std., Fr. 8-11, Konradstr. 6, 301

Sommersemester 2012

Masterseminar: Systemtheorie (gemeinsam mit Armin Nassehi)

4std, Mi. 10-12, Konradstraße 6, 308

Mit ihrem Anspruch einer fachuniversalen Theorie des Sozialen positioniert sich die Luhmannsche Systemtheorie als grand theory. Auf diese Weise kündigt sich eine abstrakte Theorie an, deren Form jedoch vor allem dem Wunsch des Vergleichbarmachens konkreter gesellschaftlicher Kontexte geschuldet ist.

Im Rahmen dieses Seminars soll herausgearbeitet werden, wie konkret, wie empirisch, wie alltagsnah sich eine solche Systemtheorie darstellt. Damit wollen wir dem Missverständnis einer empiriefernen, theorieverliebten Fachsprache begegnen. Dass gerade der Anspruch auf eine große Nähe zur Empirie – oder dessen, was als Wirklichkeit für den Beobachter sichtbar wird – dann doch eine hoch abstrakte Theorieanlage voraussetzt, ist eine Annahme, die zur Diskussion gestellt werden soll.

In den einzelnen Sitzungen werden zunächst grundlegende Texte zur Systemtheorie gelesen, die im weiteren Verlauf auf konkrete Kontexte (Organisation, Wirtschaft, Politik…) bezogen werden.

Lektürekurs: Neuere Texte der Systemtheorie

2std., Mi. 14-16, Konradstr. 6, 301
Diplomandenübung

3std., Fr. 10-13, Konradstr. 6, 301

Wintersemester 2011/2012

Masterseminar: Partizipation als Semantik – Eine Dekonstruktion (gemeinsam mit Armin Nassehi)

4std, Mi. 10-12, Konradstraße 6, 308

Dass unterschiedlichste soziale Situationen im Hinblick auf ihre Teilnahmebedingungen beobachtet werden können (Mitbestimmung in Organisationen, Wahlmöglichkeiten in der Demokratie, Integration von Minderheiten in wirtschaftliche Märkte und in Bildungseinrichtungen … ) , ist ein klassisches Thema der Soziologie, eng verknüpft mit der Entstehung der Soziologie und dem Gesellschaftsbegriff. Während die Tradition zu weiten Teilen eine fast unreflektierte Norm der Steigerung von Teilnahmemöglichkeiten formulierte, ermöglicht eine systemtheoretische Perspektive eine kritische Revision dieser Begrifflichkeiten.

Wir gehen damit weit über das hinaus, was in der politikwissenschaftlichen Forschung als Partizipation verstanden wird. In diesem Seminar wird es um Fragen danach gehen, wie man das, was oft sehr allgemein als Partizipation beschrieben wird, theoretisch und empirisch fassen kann. Aber auch die Verselbständigung einer Semantik der Partizipation zu einer gesellschaftlichen Norm wird an entsprechenden Texten nachgezeichnet und einer Dekonstruktion unterzogen.

Theorie III: Pierre Bourdieu: Kultursoziologie differenzierungstheoretisch (gemeinsam mit Niklas Barth)

2std., Do. 12-14, Konradstraße 6, 309

Wenn Bourdieu gesellschaftliche Felder unterscheidet, dann schließen sich hieran detaillierte Studien zu diesen einzelnen Feldern an. In der Übung sollen möglichst viele dieser Felder vertiefend behandelt werden. Es geht dabei nicht nur um das theoretische Argument, sondern auch um seine empirische Herleitung.

Ziel der Übung ist es, die Bourdieusche Theorie der Felder sowohl auf ihre Ähnlichkeit zur Systemtheorie hin zu befragen als auch ihre Besonderheit als „linke“ Theorie der Emanzipation herauszuarbeiten.

Theorie III: : Jürgen Habermas: Die Theorie des kommunikativen Handelns (gemeinsam mit Julia Feiler)

2std., Do. 10-12, Konradstraße 6, 309

Die Habermassche Behauptung eines modernen Diskurses „kompetenter Sprecher“ scheint gerade in der Soziologie so vertraut zu sein, dass nicht mehr sichtbar wird, welche theoretischen Überlegungen hinter diesem voraussetzungsreichen Konzept stecken. In dieser Übung soll Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns im Vordergrund stehen. Wenn man sich genauer anschaut, wie Habermas in diesem zweibändigen Werk über die „Rekonstruktion grundlegender Intuitionen“ seine Ideen entfaltet, kann man nicht nur Erfahrungen mit einer auf extreme Konsistenz gebrachten Großtheorie sammeln, sondern lernt nebenbei auch Weber, Parsons und Durkheim neu kennen.

Es soll jedoch nicht die reine Theorieexegese, sondern die Selbstverständigung der Soziologie über sich selbst und ihre Empirie im Vordergrund dieses Kurses stehen. Zur Erläuterung der Theorie wird reichhaltig auf eine Alltagsempirie zurückgegriffen.

Diplomandenworkshop

2-stündig, Fr 10-13
Übung: Einführung in die Soziologie

Diese vorlesungsbegleitende Übung dient zur Vertiefung des in der Vorlesung erworbenen Wissens. Im Anschluss an die Vorlesung werden thematisch einschlägige Texte gemeinsam gelesen und aufbereitet. Der Umgang mit soziologischen Fachtermini und die selbstständige Anwendung des soziologischen Blicks stehen dabei im Vordergrund. Darüber hinaus besteht in dieser Übung ausreichend Gelegenheit, offen gebliebene Fragestellungen zur Vorlesung zu beantworten und weiterführende Fragestellungen zu entwickeln.

Sommersemester 2011

Übung: Übung zur Systemtheorie in internationaler Perspektive

4-stündig, Mi 14-128 Uhr c.t., Bibliothek Psychologie

Artikel für Fachzeitschriften zu schreiben, setzt viele Kompetenzen voraus: Ein Themengebiet muss eingegrenzt werden, der Forschungsstand muss aufbereitet werden, eine Fragestellung muss empirisch oder theoretisch entfaltet werden.

Im Rahmen dieser Übung sollen die Teilnehmer selbständig einen Fachartikel verfassen. Üblicherweise setzt dies voraus, dass bereits empirisches Material bzw. theoretisches Wissen vorliegt, was für alle gilt, die eine Diplomarbeit geschrieben haben. Wer auf entsprechende Ressourcen jedoch auch schon vorher zurückgreifen kann, ist herzlich eingeladen.

Ziel der Übung ist es, einen Artikel bis zur Einreichung bei einer Zeitschrift vorzubereiten. Wir werden gemeinsam das Thema festlegen, eine Zeitschrift auswählen, schreiben und Ergebnisse diskutieren.

Diplomandenworkshop

2-stündig, Fr 10-13
Übung: Einführung in die Soziologie

Diese vorlesungsbegleitende Übung dient zur Vertiefung des in der Vorlesung erworbenen Wissens. Im Anschluss an die Vorlesung werden thematisch einschlägige Texte gemeinsam gelesen und aufbereitet. Der Umgang mit soziologischen Fachtermini und die selbstständige Anwendung des soziologischen Blicks stehen dabei im Vordergrund. Darüber hinaus besteht in dieser Übung ausreichend Gelegenheit, offen gebliebene Fragestellungen zur Vorlesung zu beantworten und weiterführende Fragestellungen zu entwickeln.

Wintersemester 2010/2011

Seminar: Theorien der Deliberation (Allgemeine Soziologie) (gemeinsam mit Armin Nassehi)

4-stündig, Mi. 10-12, Konradstr. 6, 308

Ein Teil des Erbes der Kritischen Theorie findet sich gegenwärtig in Theorien der Deliberation aufgehoben. In diesem Seminar werden wir uns intensiver mit dem Habermasschen Modell des Rationalen Diskurses, Axel Honneths Theorie der Anerkennung und Hauke Brunkhorsts Studien zur Weltgesellschaft beschäftigen. In den Blick gerät dabei eine international erfolgreiche soziologische Theorietradition, die bei dieser Gelegenheit auch darüber Auskunft geben kann, was im anglophonen Ausland als „deutsche Theorie“ verstanden wird.

Übung: Einführung in die Soziologie

Diese vorlesungsbegleitende Übung dient zur Vertiefung des in der Vorlesung erworbenen Wissens. Im Anschluss an die Vorlesung werden thematisch einschlägige Texte gemeinsam gelesen und aufbereitet. Der Umgang mit soziologischen Fachtermini und die selbstständige Anwendung des soziologischen Blicks stehen dabei im Vordergrund. Darüber hinaus besteht in dieser Übung ausreichend Gelegenheit, offen gebliebene Fragestellungen zur Vorlesung zu beantworten und weiterführende Fragestellungen zu entwickeln.

Diplomandenworkshop

2-stündig, Fr 9-11

Sommersemester 2010

Seminar: Philosophische Texte — soziologisch gelesen (gemeinsam mit Armin Nassehi)

4-stündig mit Arbeitsgruppen, Mi 10-12 Uhr c.t., Konradstr. 6, 308

Man kann Texte auf unterschiedliche Weise lesen: zum einen bezogen auf ihren konstativen Gehalt, also im Hinblick darauf, was drinsteht; zum anderen bezogen auf die Probleme, die der Text lösen will. Die zweite Leseart verweist bereits auf Soziologie – denn sie muss Kontexte, soziale Strukturen, Interessen und nicht zuletzt Bezugsprobleme entdecken, die nicht direkt im Text stehen, ohne den es Text aber nicht gäbe. In diesem Seminar wollen wir klassische philosophische Texte von der Nikomachischen Ethik des Aristoteles bis zur gegenwärtigen Theory of Mind in dieser Weise lesen – und werden dabei auch darauf stoßen, dass sich mancher klassische philosophische Text selbst wie ein soziologischer Text lesen wird. Und womöglich auch darauf, dass mancher Text viel zu gut ist, um ihn nur dem archivarischen Geist der Fachphilosophie selbst zu überlassen.

Für das Seminar sind keine besonderen philosophischen Vorkenntnisse erforderlich. Erforderlich ist allerdings die Bereitschaft, sich auf eine Art des Lesens einzustellen, die womöglich auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint.

Seminar: Soziologie des Fernsehens (gemeinsam mit Veronica Maier)

4-stündig mit Arbeitsgruppen, Do 10-12 Uhr c.t., Konradstr. 6, 309

Eine Soziologie des Fernsehens interessiert sich dafür, wie ein spezielles Massenmedium neue Formen der Kommunikation erwartbar macht und insofern daran teilhat, wie sich eine Gesellschaft über ihre Medien verändert. Soziologisch interessant ist an diesem speziellen Medium der Blick auf unterschiedliche Sendungsformate, der Umgang mit Bildern, Schrift und Sprache und seine Spezialisierung auf passive Wahrnehmung.

Im Vordergrund des Seminars werden Theorien des Fernsehens stehen. In diesem ersten Seminar – eine Fortsetzung wird für das kommenden Wintersemester geplant – wird es dabei zunächst um die klassischen kulturkritischen Zugänge gehen, aber dann auch um aktuelle Ansätze, die auf ein konkretes Thema – hier: Darstellungen und Thematisierung von Tod – bezogen werden.

Diplomandenworkshop

2-stündig, Fr 10-13

Wintersemester 2009/2010

Seminar: George Herbert Mead. Die Bedeutung der Pragmata (gemeinsam mit Armin Nassehi)

4-stündig, Mi 10-12 Uhr c.t., Konradstr. 6, 308

Die soziologische Theorie von George Herbert Mead gehört vielleicht zu den am meisten unterschätzten Theorien unseres Faches. Dabei hat sie bereits zu Beginn unserer Fachgeschichte viele theoretische Figuren vorbereitet, die heute als große Innovationen der Soziologie geführt werden: die Denkfigur der Operativität und Praxis als grundlegendes Bezugsproblem soziologischen Denkens; den Vorrang des Handelns vor dem Bewusstsein; „Subjektivierung“ als soziale Prozedur; und nicht zuletzt Zeit als Grundstruktur sozialer Praxis. Das Seminar wird sich diesen Klassiker nicht aus historischem Interesse erarbeiten, sondern an ihm entscheidende denkerische Grundlagen unseres Faches rekonstruieren. Es sind keine speziellen Grundkenntnisse erforderlich – allerdings die Bereitschaft, sich exemplarisch auf eine soziologische Theorie einzulassen, an der sich soziologisches Denken exemplarisch erlernen lässt und somit als Basis für weitere Denkbemühungen dienen kann.

Seminar: Theorien des Psychischen (gemeinsam mit Martin Stempfhuber)

4-stündig, Do 10-12 Uhr c.t., Konradstr. 6, 308

Die Psyche, das Psychische: Das ist – so scheint es – das der Soziologie methodologisch Fremde. Der Verweis auf Theorien des Psychischen ist für die Soziologie zumeist ein Verweis an eine Nachbardisziplin. Und trotzdem – oder gerade: dennoch – ist nicht die Rede von einem Tod der Psyche, wie etwa von einem Tod des Subjekts (durch seine Degradierung zum Effekt von Subjektivierungspraktiken) oder einem Tod des Menschen (durch seine Deplazierung in die Umwelt der Gesellschaft). Allenthalben lassen sich lautstarke Rufe nach einer notwendigen Ergänzung einer Sozioanalyse durch eine Psycho-analyse, einer Theorie des Sozialen durch Theorien des Psychischen vernehmen – und dies nicht nur in Form der übliche Forderung nach „mehr Interdisziplinarität“, sondern als Ausdruck eines Leidens an einer Mangelerscheinung soziologischer Forschung selbst. Aber was sind die Kandidaten für eine Theorie des Psychischen, die diese „Lücke“ füllen könnten? Auf welches Problem verweist das soziologische Begehren nach einer eigens aufs Psychische zielenden Theorie überhaupt? Was verlangt ein genuin soziologischer Zugriff auf Theorien des Psychischen diesen Theorien ab – und was bedeutet er für die Soziologie selbst?

Für Gesellschaftstheorien marxistischer Provenienz, etwa in Gestalt der Kritischen Theorie, war dabei rückblickend der Einsatz noch klar: Der Bezug zu psychoanalytischen Erklärungsmodellen lieferte das notwendige Supplement zu sozioökonomischen Analysen, die alleine nicht zu erklären in der Lage war, wie die geschichtlich notwendigen sozialen Umwälzungen so lange auf sich warten lassen konnten. In Form des Unbewussten war das Psychische dabei einerseits eine Chiffre dafür, dass sich das notwendig falsche Bewusstsein nicht nur auf einen ideologischen Oberflächeneffekt reduzieren ließ, andererseits aber auch ein Verweis auf die Möglichkeit einer Transzendenz der kulturindustriellen Zurichtung der gleichgeschalteten Individuen. Der zeitgenössische theoretische Bezug auf das Psychische gestaltet sich aber weitaus unübersichtlicher.

Dieses Seminar wird an dieser Stelle ansetzen und nach dem Problembezug fragen, den eine Theorie des Psychischen für eine soziologische Beschreibung der Welt bearbeitet.

Übung: Einführung in die Soziologie

2-stündig, Do 12-14 Uhr c.t., Konradstr. 6, 308

Diese vorlesungsbegleitende Übung dient zur Vertiefung des in der Vorlesung erworbenen Wissens. Im Anschluss an die Vorlesung werden thematisch einschlägige Texte gemeinsam gelesen und aufbereitet. Der Umgang mit soziologischen Fachtermini und die selbstständige Anwendung des soziologischen Blicks stehen dabei im Vordergrund. Darüber hinaus besteht in dieser Übung ausreichend Gelegenheit, offen gebliebene Fragestellungen zur Vorlesung zu beantworten und weiterführende Fragestellungen zu entwickeln.

Diplomandenworkshop

3-stündig, Fr 10-13 Uhr c.t., Konradstr. 6, 308

Diplomarbeiten müssen letztlich von jedem Diplomanden selbst geschrieben werden und die meisten Fehler, die man dabei macht, sind vermutlich unvermeidbar. Wir haben jedoch den Eindruck, dass es zumindest ein paar Fehler gibt, die nicht jeder wiederholen muss, weswegen wir gerne Kompetenzen – vorhandene und frisch erworbene – besser nutzen möchten. Zur besseren Unterstützung in dieser speziellen Situation im Studium biete ich für meine Diplomandinnen und Diplomanden eine systematische Form der Betreuung an, bei der sich Diplomanden gegenseitig unterstützen können.

Sommersemester 2009

Seminar: Max Weber: Die Bedeutung der Kultur (Allgemeine Soziologie)

4-stündig, Mi 10-12 Uhr (und nach Vereinbarung), Konradstr. 6, 308 Übungsraum

In diesem Seminar soll einer der bedeutendsten Klassiker der Soziologie, Max Weber, im Zentrum stehen. Uns geht es dabei vor allem darum, Weber als Theoretiker und Forscher in bezug auf aktuelle Fragestellungen zu lesen. Im Unterschied zu der sehr beliebten Rezeption seines Werkes über die pathetischen Sätze sollen hierbei vor allem zentrale Texte vorgestellt werden, in denen entscheidende Weichenstellungen für die weiteren soziologischen Debatten stattgefunden haben. Fast alle aktuell zentralen Debatten der Soziologie schließen an diese Texte an.

Die Veranstaltung bietet also eine gute Gelegenheit, Kultursoziologie mit einer Einführung in die allgemeine Soziologie zu verbinden.

Seminar: Religiöse Kommunikation und ihre Formen (Religionssoziologie)

4-stündig, Do 12-14, Konradstr. 6, 309

In diesem Seminar wird es um die Frage danach gehen, was eigentlich das Religiöse des Religiösen ausmacht. Was versteht man z.B. unter dem typischerweise religiösen Verweis auf Transzendenz? Worin besteht die Inanspruchnahme klassischer Formen des Religiösen? Gibt es ‚religiöse Erfahrungen’, die allen Formen gemeinsam sind, ihnen sozusagen vorausgehen müssen?

Sowohl klassische Texte als auch aktuelle Auseinandersetzungen mit diesen Fragen stehen im Mittelpunkt dieser Veranstaltung. Die Verknüpfung mit eigenen kleinen empirischen Studien ist dabei erwünscht, weswegen von den Teilnehmern erwartet wird, Interviews, Beobachtungen und Diskursanalysen durchzuführen. Untersucht werden sollen klassische und aktuelle Formen des Religiösen. Das dafür benötigte Handwerkszeug wird nicht vorausgesetzt.

Seminar: Theorie II: Unterschiede. Einführung in die Kultursoziologie

2-stündig, Do 10-12, Konradstr. 6, 309

Als common sense eines modernen Verständnisses des Kulturbegriffs gilt vermutlich die Idee der Variabilität von kulturellen Formen und deren Legitimität. Dass Franzosen anders sind als Engländer, Westfalen sich von Bayern unterscheiden und Studierende der Soziologie anders aussehen als solche der Jurisprudenz erscheint aus dieser Perspektive wahlweise als Kuriosum – wenn darüber im Fernsehen berichtet wird – oder als Kulturkonflikt – wenn interkulturelle Kompetenz vermittelt werden soll. Über die Beobachtung von kulturellen Unterschieden hinweg entsteht aber auch die Frage nach der Erklärung dieser Unterscheidungspraxis. Am Beispiel klassischer Studien zum Symbolgebrauch, zur Distinktion, zur Entstehung von kulturellen Identitäten soll eben dieser Praxis der Unterscheidung nachgegangen werden, sollen Theorien der Herstellung von Unterschieden miteinander verglichen werden. Diese Übung empfiehlt sich als Vorbereitung für Hauptseminare mit dem Schwerpunkt Kultursoziologie, aber auch für diejenigen, die eine Diplomarbeit in diesem Bereich vorbereiten. Es werden klassische Texte zur Kultursoziologie gelesen, die im weiteren Studium zumeist vorausgesetzt werden.

Diplomandenexercitium

3-stündig, Fr 10-13, Konradstr. 6, 308

Wintersemester 2008/2009

Übung: Einführung in die Soziologie

2-stündig.
Die Veranstaltung wird inhaltsgleich zu folgenden Terminen angeboten:

  • Do. 14 – 16 Uhr, Konradstr.6, 109
  • Fr. 10 – 12 Uhr, Konradstr. 6, 309
  • Fr. 12 – 14 Uhr, Konradstr. 6, 309

Diese vorlesungsbegleitende Übung dient zur Vertiefung des in der Vorlesung erworbenen Wissens. Im Anschluss an die Vorlesung werden thematisch einschlägige Texte gemeinsam gelesen und aufbereitet. Der Umgang mit soziologischen Fachtermini und die selbstständige Anwendung des soziologischen Blicks stehen dabei im Vordergrund. Darüber hinaus besteht in dieser Übung ausreichend Gelegenheit, offen gebliebene Fragestellungen zur Vorlesung zu beantworten und weiterführende Fragestellungen zu entwickeln.

Diplomandenübung

3-stündig, Do 10 – 13 Uhr, Konradstr. 6, 301

Sommersemester 2008

Hauptseminar: Systemtheorie und Praxistheorie (Kultur- und Wissenssoziologie/Allgemeine Soziologie) (gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Nassehi)

4-stündig, Mi 10-12 Uhr (und nach Vereinbarung), Konradstr. 6, 309 Übungsraum

Obwohl Lehrbücher gerne behaupten, dass sich die Klassiker der Soziologie als Theoretiker mit etwas anderem als einer empirisch vorfindbaren sozialen Welt beschäftigen, führt eine tiefergehende Beschäftigung mit diesen „Theoretikern“ doch immer wieder nur an einen Ort, nämlich den einer Wirklichkeit, die sich von Situation zu Situation unterscheidet und die den Blick auf die konkreten Bedingungen von unterschiedlichen Situationen lenkt. Ob sich dieses Unternehmen dann im weiteren als Differenzierungstheorie darstellt oder als Diagnose einer Vermischung und Überlappung, spielt dann eigentlich zunächst gar keine Rolle, weil es allen gemeinsam immer darum geht, Plausibilitäten an empirischen Orten wiederzufinden und sie dort auch zu rekonstruieren.

Um ein solches Verständnis der Klassiker zu ermöglichen, sollen in diesem Seminar beispielhaft Texte von Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu gelesen und miteinander verglichen werden. Hinter den folgenden Sätzen, die vielleicht schwierig klingen, und doch nur beschreiben, was wir oben bereits benannt haben, verbirgt sich eigentlich das gleiche Forschungsanliegen. So formuliert Niklas Luhmann in „Soziale Systeme“: „Insgesamt ist Sinn also ein Prozessieren nach Maßgabe von Differenzen, und zwar von Differenzen, die als solche nicht vorgegeben sind, sondern ihre operative Verwendbarkeit … allein aus der Sinnhaftigkeit selbst gewinnen.“ (1985, 101) Und Pierre Bourdieu beschreibt in „Sozialer Sinn“ Praktiken über „Ungewißheit und … Unschärfe“, „die daher rühren, dass sie nicht etwa auf bewussten und konstanten Regeln beruhen, sondern auf praktischen Schemata, die für sich selbst undurchsichtig und je nach der Logik der Situation und dem von dieser geforderten, fast stets voreingenommenen Standpunkt Schwankungen unterworfen sind.“ (1993, 28) Unterschiede zwischen diesen beiden soziologischen Herangehensweisen liegen jedoch auch auf der Hand und sollen nicht unterschlagen werden.

Hauptseminar: Internet – Zugänge zu einer anderen Gesellschaft (Kultur- und Wissenssoziologie) (unter Mitarbeit von Florian Süssenguth)

2-stündig, Do 10-12 Uhr, Konradstr. 6, 309 Übungsraum

Wenn sich Feuilletons und Soziologen mit dem Internet beschäftigen, dann wird dabei zumeist betont, dass es sich um ein „neues Medium“ handele, das die Gesellschaft tiefgreifend verändern wird oder es bereits getan hat. Blickt man auf die Geschichte der Moderne, so entdeckt man ähnliche Diskurse um das Radio und später das Fernsehen. Mediendiagnose ist dabei immer auch Zeitdiagnose, die eine Zustandsbeschreibung der Gesellschaft anfertigen will und diese auf der Projektionsfläche der Medien entdeckt. So finden sich auch heute beim Internet auf der einen Seite Stimmen, die dem Internet die Fähigkeit zuschreiben, demokratische Partizipation und Deliberation zu befördern. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die dort nur den Verlust von Authentizität und Sozialität ausmachen können. Gleichzeitig entdeckt man in der Praxis findige Geschäftsleute, die wie selbstverständlich virtuelles Gold für echtes Geld verkaufen oder auch Chatter, die sich in ihrer Community wohler fühlen als am Esstisch daheim und von ihren ratlosen Familien nur noch als Süchtige verstehbar werden.

Im Rahmen dieses Seminars werden wir uns soziologisch dem Forschungsfeld Internet nähern. Einerseits wollen wir versuchen, die Perspektiven der Theoretisierung des Internets miteinander zu vergleichen. Dabei steht die Frage danach im Mittelpunkt, was man an diesen Versuchen nicht nur über das Internet, sondern auch über die Gesellschaft lernen kann. Auf der anderen Seite wollen wir versuchen, mögliche empirische Zugänge zu einem Phänomen zu gewinnen, das sich in der Praxis vielleicht doch heterogener und differenzierter zeigt, als der Sammelbegriff „das Internet“ suggeriert.

Seminar: Theorie II: Einführung in die Religionssoziologie

2-stündig, Do 12-14 Uhr, Konradstr. 6, 309 Übungsraum

In diesem Seminar wird es um die Frage danach gehen, was eigentlich das Religiöse des Religiösen ausmacht. Ist es der Verweis auf Transzendenz? Oder besteht es in der Inanspruchnahme klassischer Formen des Religiösen? Gibt es ‚religiöse Erfahrungen’, die allen Formen gemeinsam sind, ihnen sozusagen vorausgehen müssen? Sowohl klassische Texte als auch aktuelle Auseinandersetzungen mit diesen Fragen stehen im Mittelpunkt dieser Veranstaltung. Die Verknüpfung mit eigenen kleinen empirischen Studien ist dabei erwünscht, weswegen von den Teilnehmern erwartet wird, Interviews, Beobachtungen und Diskursanalysen durchzuführen. Untersucht werden sollen Inszenierungen von religiösen Veranstaltungen, die kommunikative Gattung des Predigens und biographische Selbstbeschreibungen. Das dafür benötigte Handwerkszeug wird nicht vorausgesetzt.

Diplomandenexercitium

3-stündig, Fr 10-13 Uhr, Konradstr. 6, 308 Übungsraum

Diplomarbeiten müssen letztlich von jeder Diplomandin und von jedem Diplomanden selbst geschrieben werden und die meisten Fehler, die man dabei macht, sind vermutlich unvermeidbar. Der Austausch in einer Gruppe scheint jedoch ein hilfreiches Instrument zu sein, um mit den typischen Problemen des Diplomarbeit- Schreibens umzugehen. Zur besseren Unterstützung in dieser speziellen Situation im Studium biete ich deshalb für meine Diplomandinnen und Diplomanden eine systematische Form der Betreuung an. Entscheidender Bestandteil dieser Betreuung ist eine Förderung der Zusammenarbeit in DiplomAGs. Dieses Angebot dient jedoch nicht nur als Hilfe zur Selbsthilfe, sondern auch als Gelegenheit zur Einübung eines Blicks über den Tellerrand des eigenen Themas hinaus. Zu Beginn des Semesters werden – themen- bzw. methodenbezogen – alle Diplomandinnen und Diplomanden in Gruppen von 2 bis 5 Personen eingeteilt. Die weitere Beratung findet dann in diesen DiplomAGs statt.

Wintersemester 2007/2008

Hauptseminar: Pragmatik des Sterbens II (gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Nassehi)

Mi 10-12, Kon 308.

Tod und Sterben geraten zunehmend in den Fokus nicht nur der öffentlichen Aufmerksamkeit, sondern auch politischer, rechtlicher und ethischer Entscheidungen. Die Gründe liegen auf der Hand: Zum einen scheinen der modernen Gesellschaft kaum Routinen und Riten, selbstverständliche Arbeitsteilungen und Muster zur Verfügung zu stehen, die das Sterben als Prozess und den Tod als Horizont und Bedro-hung praktisch handhabbar machen. Dazu gehören auch eindeutig normierende Standards für alle am Sterbeprozess Beteiligten. Zum anderen erfordern neue biotechnische Möglichkeiten und Verfahren Entscheidungen auf Gebieten, die vormals dem Zugriff von Entscheidungen letztlich entzogen waren und der allenfalls religiösen Zurechnungsfähigkeit eines unverfügbaren Bereichs des menschlichen Lebens zugeschlagen werden konnten. Dies hat sich radikal geändert, so dass durch die Verfügung übers vormals Unverfügbare nun neue Zurechenbarkeiten entstehen – man denke an die Definition des Todes, an die Allokation von transplantierbaren Organen, an den Themenkomplex der Suizidbeihilfe/der Tötung auf Verlangen/des ärztlich assistierten Suizids, an die definitorische Unschärfe zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe und an die palliative Betreuung Sterbender, um nur einige Beispiele zu nennen. Im Rahmen dieses Hauptseminars werden wir uns mit ausgewählten Themen aus diesem Kontext beschäftigen und dabei sowohl Problemstellungen, Lösungen und deren Verortung in einer konkreten Praxis mit entsprechenden Gästen diskutieren. Im Unterschied zum vorangegangenen Seminar wird in diesem Semester die Frage nach der Funktion kulturgebundener und religiöser Sprecher stärker im Vordergrund stehen.

Hauptseminar: Ethik in einer Gesellschaft der Gegenwarten. Cultural Studies II (gemeinsam mit Dipl.-Journ. Jacob Schrenk)

4std, Do 10-12, Kon. 309

Im Rahmen dieses auf zwei Semester angelegten Seminarprogramms sollen zwei Themenbereiche miteinander verknüpft werden: Einerseits geht es um die Form der modernen ethischen Argumentation, andererseits um zeitdiagnostische Studien, die den gesellschaftlichen Hintergrund beleuchten, vor dem sich ein ethisches Argument heute bewähren muss. Das Seminar wird dementsprechend sowohl Studien zur Ethik (Ethik als Theorie, Ethik in Kommissionen, Ethik des Kaufens…), als auch solche der klassischen Cultural Studies umfassen. Dabei geht es nicht in erster Linie um den emanzipativen Anspruch der Cultural Studies, sondern vor allem um den Gegenstandsbereich: Einen Alltag des Konsumierens, Fernsehens, der körperlichen Inszenierung, des Bloggens. Der Effekt dieser Einflüsse ist eigentlich aus der medientheo-retischen Kulturkritik bereits bekannt – das „gute Argument“ wird seines theoretischen Kontextes entkleidet und in einem solchen der Unterhaltung bzw. der individuellen Wahlentscheidung eines selbstbewussten Konsumenten beliebig. Andererseits lässt diese Kritik die ethische Praxis selbst scheinbar unberührt, insofern sich ethisches Entscheiden selbst fast sonntäglich diesem kritisierten Alltag nicht zurechnet. Ob beides jedoch nicht mehr miteinander zu tun hat, als zunächst gedacht, soll in diesem Seminar näher untersucht werden. Im Unterschied zum vergangenen Sommersemester wird es im Wintersemester stärker um die moderne Form der Bioethik und „ethische Sprecher“ gehen. Inszenierungsformen moderner Sprecher über ihren (gesunden oder kranken) Körper und ihre Biographie werden dabei im Vordergrund stehen.

Seminar: Theorie II: Einführung in die Kultursoziologie: Unterschiede

2std, Do 12-14, Kon. 308

Als common sense eines modernen Verständnisses des Kulturbegriffs gilt vermutlich die Idee der Variabilität von kulturellen Formen und deren Legitimität. Dass Franzo-sen anders sind als Engländer, Westfalen sich von Bayern unterscheiden und Studierende der Soziologie anders aussehen als solche der Jurisprudenz erscheint aus dieser Perspektive wahlweise als Kuriosum – wenn darüber im Fernsehen berichtet wird – oder als Kulturkonflikt – wenn interkulturelle Kompetenz vermittelt werden soll. Über die Beobachtung von kulturellen Unterschieden hinweg entsteht aber auch die Frage nach der Erklärung dieser Unterscheidungspraxis. Am Beispiel klassischer Studien zum Symbolgebrauch, zur Distinktion, zur Entstehung von kulturellen Identitäten soll eben dieser Praxis der Unterscheidung nachgegangen werden, sollen Theorien der Herstellung von Unterschieden miteinander verglichen werden. Diese Übung empfiehlt sich als Vorbereitung für Hauptseminare mit dem Schwerpunkt Kultursoziologie, aber auch für diejenigen, die eine Diplomarbeit in diesem Bereich vorbereiten. Es werden klassische Texte zur Kultursoziologie gelesen, die im weiteren Studium zumeist vorausgesetzt werden.

Diplomandenworkshop

2std, Fr 9-12 Uhr

Diplomarbeiten müssen letztlich von jedem Diplomanden selbst geschrieben werden und die meisten Fehler, die man dabei macht, sind vermutlich unvermeidbar. Wir haben jedoch den Eindruck, dass es zumindest ein paar Fehler gibt, die nicht jeder wie-derholen muss, weswegen wir gerne Kompetenzen – vorhandene und frisch erworbene – besser nutzen möchten. Zur besseren Unterstützung in dieser speziellen Situation im Studium bieten wir für Diplomandinnen und Diplomanden des Lehrstuhls eine systematische Form der Betreuung an. Entscheidender Bestandteil dieser Diplomandenbetreuung ist eine Förderung der Zusammenarbeit in Gruppen, weswegen wir Sie in eine DiplomAG stecken werden. Wir sehen dieses Angebot jedoch nicht nur als Hilfe zur Selbsthilfe, sondern auch als Gelegenheit zur Einübung eines Blicks über den Tellerrand des eigenen Themas hinaus.

Sommersemester 2007

Hauptseminar: Pragmatik des Sterbens (Allgemeine Soziologie, Kultur- / Wissenssoziologie) (gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Nassehi)

4std mit Arbeitsgruppen, Mi 10-12 und nach Vereinbarung, Kon 308

Tod und Sterben geraten zunehmend in den Fokus nicht nur der öffentlichen Aufmerksamkeit, sondern auch politischer, rechtlicher und ethischer Entscheidungen. Die Gründe liegen auf der Hand: Zum einen scheinen der modernen Gesellschaft kaum Routinen und Riten, selbstverständliche Arbeitsteilungen und Muster zur Verfügung zu stehen, die das Sterben als Prozess und den Tod als Horizont und Bedrohung praktisch handhabbar machen. Dazu gehören auch eindeutig normierende Standards für alle am Sterbeprozess Beteiligten. Zum anderen erfordern neue biotechnische Möglichkeiten und Verfahren Entscheidungen auf Gebieten, die vormals dem Zugriff von Entscheidungen letztlich entzogen waren und der allenfalls religiösen Zurechnungsfähigkeit eines unverfügbaren Bereichs des menschlichen Lebens zugeschlagen werden konnten. Dies hat sich radikal geändert, so dass durch die Verfügung übers vormals Unverfügbare nun neue Zurechenbarkeiten entstehen – man denke an die Definition des Todes, an die Allokation von transplantierbaren Organen, an den Themenkomplex der Suizidbeihilfe/der Tötung auf Verlangen/des ärztlich assistierten Suizids, an die definitorische Unschärfe zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe und an die palliative Betreuung Sterbender, um nur einige Beispiele zu nennen. Im Rahmen dieses Hauptseminars werden wir uns mit ausgewählten Themen aus diesem Kontext beschäftigen und dabei sowohl Problemstellungen, Lösungen und deren Verortung in einer konkreten Praxis mit entsprechenden Gästen diskutieren.

Hauptseminar: Ethik in einer Gesellschaft der Gegenwarten. Cultural Studies I (Allgemeine Soziologie, Kultur- / Wissenssoziologie) (gemeinsam mit Jakob Schrenk)

4std mit Arbeitsgruppen, Do 10-12 und nach Vereinbarung, Kon 309

Im Rahmen dieses auf zwei Semester angelegten Seminarprogramms sollen zwei Themenbereiche miteinander verknüpft werden: Einerseits geht es um die Form der modernen ethischen Argumentation, andererseits um zeitdiagnostische Studien, die den gesellschaftlichen Hintergrund beleuchten, vor dem sich ein ethisches Argument heute bewähren muss. Das Seminar wird dementsprechend sowohl Studien zur Ethik (Ethik als Theorie, Ethik in Kommissionen, Ethik des Kaufens…), als auch solche der klassischen Cultural Studies umfassen. Dabei geht es nicht in erster Linie um den emanzipativen Anspruch der Cultural Studies, sondern vor allem um den Gegen-standsbereich: Einen Alltag des Konsumierens, Fernsehens, der körperlichen Inszenierung, des Bloggens. Der Effekt dieser Einflüsse ist eigentlich aus der medientheoretischen Kulturkritik bereits bekannt – das Argument wird seines theoretischen Kontextes entkleidet und in einem solchen der Unterhaltung bzw. der individuellen Wahlentscheidung eines selbstbewussten Konsumenten beliebig. Andererseits lässt diese Kritik die ethische Praxis selbst scheinbar unberührt, insofern sich ethisches Entscheiden selbst fast sonntäglich diesem kritisierten Alltag nicht zurechnet. Ob beides jedoch nicht mehr miteinander zu tun hat, als zunächst gedacht, soll in diesem Seminar näher untersucht werden. Während wir uns im Sommersemester zunächst mit der Verknüpfung dieser Perspektiven im Hinblick auf die Frage danach, welche Form zeitgenössisches ethisches Argumentieren annimmt, beschäftigen werden, wird im Wintersemester der Blick auf die Produzenten ethischer Argumente im Vordergrund stehen. Die Anmeldung zu den Hauptseminaren am Lehrstuhl Nassehi erfolgt über Bewerbungsessays, die spätestens am 11. April 2007 abgegeben werden müssen. Über Details der Anmeldung und Teilnahmebedingungen informieren Sie sich bitte hier.

Übung: Forschungsorientierte Vertiefung zu den Seminaren

3std, Fr 8-11, Kon 308

Begleitend zu den Hauptseminaren am Lehrstuhl Nassehi findet in dieser Übung eine forschungsorientierte Vertiefung des Lehrstoffs statt. Ziel einer solchen vertiefenden Begleitung der Hauptseminare ist die Verknüpfung der Präsentationsthemen mit Fragestellungen einer darauf aufbauenden Forschung. Von dieser Verknüpfung von Seminarthemen mit eigenen Forschungsprojekten versprechen wir uns eine systematischere Einübung in Techniken der empirischen Sozialforschung und eine zielgerichtetere Vorbereitung auf Diplomarbeiten. Die Teilnahme erfolgt begleitend zu den Hauptseminaren. Näheres dazu wird in den Hauptseminaren besprochen.

Diplomandencolloquium

2std, Fr 11-13, Kon 308

Diplomarbeiten müssen letztlich von jedem Diplomanden selbst geschrieben werden und die meisten Fehler, die man dabei macht, sind vermutlich unvermeidbar. Wir haben jedoch den Eindruck, dass es zumindest ein paar Fehler gibt, die nicht jeder wiederholen muss, weswegen wir gerne Kompetenzen – vorhandene und frisch erworbene – besser nutzen möchten. Zur besseren Unterstützung in dieser speziellen Situation im Studium bieten wir für Diplomandinnen und Diplomanden des Lehrstuhls eine systematische Form der Betreuung an. Entscheidender Bestandteil dieser Diplomandenbetreuung ist eine Förderung der Zusammenarbeit in Gruppen, weswegen wir Sie in eine DiplomAG stecken werden. Wir sehen dieses Angebot jedoch nicht nur als Hilfe zur Selbsthilfe, sondern auch als Gelegenheit zur Einübung eines Blicks über den Tellerrand des eigenen Themas hinaus. Zu Beginn des Semesters werden – themen- bzw. methodenbezogen – alle Diplomanden in Gruppen von 2 bis 5 Personen eingeteilt. In diesen DiplomAGs findet dann eine gemeinsame weitere Beratung statt.

Wintersemester 2006/2007

Hauptseminar: Differenzierungstheorien (gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Nassehi)

4std mit Arbeitsgruppen, Mi 8-10 und nach Vereinbarung, Kon 309

Die These von der Differenzierung der Gesellschaft gehört sicher zu den dienstältesten Konzepten der Soziologie – und die „Entzweiungen“ der Moderne sind ja schon für vorsoziologische Diagnosen der Epoche stilbildend. Ziel des Hauptseminars ist es einerseits, Facetten der Differenzierungstheorie historisch und systematisch aufzuarbeiten, andererseits aber Anschlüsse an empirische und diagnostische Anwendungsgebiete für differenzierungstheoretische Fragestellungen zu suchen. Teilnahmebedingungen sind der Homepage des LS Nassehi zu entnehmen.

Seminar:Theorie III: Habermas – Theorie des kommunikativen Handelns (nur für Hauptfachstudierende der Soziologie)

2std, Do 10-12, Kon 309

Die Habermassche Behauptung eines Diskurses „kompetenter Sprecher“ scheint gerade in der Soziologie so vertraut zu sein, dass nicht mehr sichtbar wird, welche theoretischen Überlegungen hinter diesem voraussetzungsreichen Konzept stecken. Wenn man sich genauer anschaut, wie Habermas über die „Rekonstruktion grundlegender Intuitionen“ diese Idee entfaltet, kann man nicht nur Erfahrungen mit einer auf extreme Konsistenz gebrachten Großtheorie sammeln, sondern lernt nebenbei auch Weber, Parsons und Durkheim neu kennen. Es soll jedoch nicht die reine Theorieexegese, sondern die Selbstverständigung der Soziologie über sich selbst und ihre Empirie im Vordergrund dieses Kurses stehen. Die Theorie des kommunikativen Handelns setzt theoretisch und empirisch bei der Beobachtung einer Soziologie an, die sich pluralistisch darstellt und damit sicherlich viele Studierende verunsichert. Diesen Überlegungen zum Selbstverständnis der Soziologie wird im Rahmen dieser Veranstaltung ausreichend Raum gegeben.

Übung: Einführung in die Religionssoziologie

2std, Do 8-10, Kon 309

Verliert die Religion an Bedeutung oder wird sie im Gegenteil immer wichtiger? Wenn man diese Frage beantworten will, muss man sich zunächst dafür interessieren, wie sich eine religiöse Praxis von anderen Praxen unterscheidet. In diesem Seminar wird es um die Frage danach gehen, was eigentlich das Religiöse des Religiösen ausmacht. Was passiert, wenn die Wahrheit „offenbart“ wird? Gesucht wird dabei nach Kommunikationsmustern, in denen sich die Überzeugungsfähigkeit religiöser Sätze von alleine ergibt, und zu klären wäre dann, worin denn diese Überzeugungsfähigkeit besteht. Sowohl klassische Texte als auch aktuelle Auseinandersetzungen mit diesem Thema stehen im Mittelpunkt dieser Veranstaltung. Die Verknüpfung mit eigenen kleinen empirischen Studien ist dabei erwünscht. Als Material dienen z.B. Texte von Joseph Kardinal Ratzinger, aber auch Feng-Shui-Ratgeber. Das methodische Handwerkszeug wird nicht vorausgesetzt.

Übung: Forschungsorientierte Vertiefung zu den Seminaren

2std, Mi 10-12, Kon 108

Begleitend zu den Hauptseminaren am Lehrstuhl Nassehi findet in dieser Übung eine forschungsorientierte Vertiefung des Lehrstoffs statt. Ziel einer solchen vertiefenden Begleitung der Hauptseminare ist die Verknüpfung der Präsentationsthemen mit Fragestellungen einer darauf aufbauenden Forschung. Von dieser Verknüpfung von Seminarthemen mit eigenen Forschungsprojekten versprechen wir uns eine systematischere Einübung in Techniken der empirischen Sozialforschung und eine zielgerichtetere Vorbereitung auf Diplomarbeiten. Die Teilnahme erfolgt begleitend zu den Hauptseminaren. Näheres dazu wird in den Hauptseminaren besprochen.

Diplomandencolloquium

2std, Fr 8-10, Kon 308

Diplomarbeiten müssen letztlich von jedem Diplomanden selbst geschrieben werden und die meisten Fehler, die man dabei macht, sind vermutlich unvermeidbar. Wir haben jedoch den Eindruck, dass es zumindest ein paar Fehler gibt, die nicht jeder wiederholen muss, weswegen wir gerne Kompetenzen – vorhandene und frisch erworbene – besser nutzen möchten. Zur besseren Unterstützung in dieser speziellen Situation im Studium bieten wir für Diplomandinnen und Diplomanden des Lehrstuhls eine systematische Form der Betreuung an. Entscheidender Bestandteil dieser Diplomandenbetreuung ist eine Förderung der Zusammenarbeit in Gruppen, weswegen wir Sie in eine DiplomAG stecken werden. Wir sehen dieses Angebot jedoch nicht nur als Hilfe zur Selbsthilfe, sondern auch als Gelegenheit zur Einübung eines Blicks über den Tellerrand des eigenen Themas hinaus. Zu Beginn des Semesters werden – themen- bzw. methodenbezogen – alle Diplomanden in Gruppen von 2 bis 5 Personen eingeteilt. In diesen DiplomAGs findet dann eine gemeinsame weitere Beratung statt.

Diplomandenworkshop

2std, Fr 16-20 und nach Vereinbarung, Kon 308

Viele Fragen, die während einer Diplomarbeit auftreten, betreffen organisatorische Themen, die am besten von jemandem beantwortet werden können, der selber gerade erfolgreich diese ersten Schritte hinter sich gebracht hat. Um sowohl der Situation von Diplomanden besser gerecht zu werden als auch um diese studentische Expertise besser nutzen zu können, finden Workshops statt, die von einem erfahrenen Diplomanden als Tutor betreut werden. Wir versprechen uns von dieser Veranstaltungsform eine Unterstützung der studentischen Diskussionskultur. Dieser Tutor bzw. diese Tutorin hat vor allem die Aufgabe, Treffen zu organisieren und dazu anzuregen, dass die Teilnehmer der DiplomAG lernen, ihr Thema systematisch zu entfalten und es untereinander zu diskutieren. Eine konkretere Arbeit am zugrunde liegenden Material der jeweiligen Studie ist wünschenswert.

Sommersemester 2006

Diplomandencolloquium

2std, Fr 8-10, Kon 308

Diplomarbeiten müssen letztlich von jedem Diplomanden selbst geschrieben werden und die meisten Fehler, die man dabei macht, sind vermutlich unvermeidbar. Wir haben jedoch den Eindruck, dass es zumindest ein paar Fehler gibt, die nicht jeder wiederholen muss, weswegen wir gerne Kompetenzen – vorhandene und frisch erworbene – besser nutzen möchten. Zur besseren Unterstützung in dieser speziellen Situation im Studium bieten wir für Diplomandinnen und Diplomanden des Lehrstuhls eine systematische Form der Betreuung an. Entscheidender Bestandteil dieser Diplomandenbetreuung ist eine Förderung der Zusammenarbeit in Gruppen, weswegen wir Sie in eine DiplomAG stecken werden. Wir sehen dieses Angebot jedoch nicht nur als Hilfe zur Selbsthilfe, sondern auch als Gelegenheit zur Einübung eines Blicks über den Tellerrand des eigenen Themas hinaus. Zu Beginn des Semesters werden – themen- bzw. methodenbezogen – alle Diplomanden in Gruppen von 2 bis 5 Personen eingeteilt. In diesen Diplom-AGs findet dann eine gemeinsame weitere Beratung statt.

Diplomandenworkshop

2std, Fr 16-20, Kon 308

Viele Fragen, die während einer Diplomarbeit auftreten, betreffen organisatorische Themen, die am besten von jemandem beantwortet werden können, der selber gerade erfolgreich diese ersten Schritte hinter sich gebracht hat. Um sowohl der Situation von Diplomanden besser gerecht zu werden als auch um diese studentische Expertise besser nutzen zu können, finden Workshops statt, die von einem erfahrenen Diplomanden als Tutor betreut werden. Wir versprechen uns von dieser Veranstaltungsform eine Unterstützung der studentischen Diskussionskultur. Dieser Tutor bzw. diese Tutorin hat vor allem die Aufgabe, Treffen zu organisieren und dazu anzuregen, dass die Teilnehmer der DiplomAG lernen, ihr Thema systematisch zu entfalten und es untereinander zu diskutieren. Eine konkretere Arbeit am zugrunde liegenden Material der jeweiligen Studie ist wünschenswert.

Wintersemester 2005/2006

Hauptseminar: Der Arzt als Zauberer – Eine Einführung in die Medizinsoziologie (unter Mitarbeit von Katharina Stemple)

Do 18-20 Uhr, Kon 309

Wenn medizinisch entschieden werden muss, stellt sich die Frage nach dem Kriterium für eine gute Entscheidung, und im Entscheidungsprozess selbst gewinnt so die Orientierung am Leben ihre Funktion. Dass der Patient weiter atmet, dass sein Blutdruck messbar ist, dass er bald wieder gehen wird, sind die einzigen Kriterien, die sich anbieten, wenn man es mit dem Körper zu tun hat. Jenseits medizinischer Entscheidungen wartet nur der Tod. Doch der Arzt kann – um die optimale Entscheidung zu treffen – nicht einfach nur den Körper behandeln, er muss den Patienten selbst miteinkalkulieren. Er soll jedoch nicht nur einfach mit ihm reden, sondern sogar „von Mensch zu Mensch“. Was hierbei hergestellt wird, ist eine Form, die anspruchsvoller gar nicht sein könnte. Wenn man diesen Anspruch an Partizipation nicht als vernünftige Lösung, sondern als soziale Form entschlüsselt, die auf das Problem einer unkontrollierbaren Explosion von gleichzeitigen Kontexten, von Nebenfolgen reagiert, die gezähmt werden wollen, die nun dort entstehen, wo früher der weiße Kittel des Arztes vor weiteren Nachfragen geschützt hat – und zwar den Arzt genauso wie den Patienten, dann sieht man in den neuen Partizipationsmustern eine Dynamik von Asymmetrien und Symmetrien, ja sogar eine Zunahme von Asymmetrien, denn die vielen Entscheidungen, die nun möglich und notwendig sind, müssen alle gerechtfertigt werden. In diesem Seminar soll die Besonderheit der Arzt-Patienten-Beziehung näher beleuchtet werden. Dazu werden klassische Texte gelesen, aber auch eigene kleine empirische Studien durchgeführt.

Hauptseminar: Liebe. Zur Kommunikation von Inkommunikabilität (unter Mitarbeit von Martin Stempfhuber)

Mi 8-10 Uhr, Kon 309

Womit bekommt es die Soziologie zu tun, wenn sie es mit „Liebe“ zu tun bekommt? In einem Punkt sind sich die unterschiedlichsten Vertreter einer „Soziologie der Liebe“ einig: Mit der Liebe hat sich die Soziologie seit jeher schwer getan. Auf diesen Sachverhalt hat das Fach jedoch nicht mit Schweigen, vielmehr mit einem Wuchern des Diskurses reagiert. Als Anstoß zu soziologischen Zeitdiagnosen erfreut sich der sperrige Forschungsgegenstand der Liebe ungebremster Beliebtheit. Deren Spektrum reicht freilich von Verlustklagen über das „Ende der romantischen Liebe“ über die Warnung vor der „Tyrannei der Intimität“ und den hoffnungsvollen Befund eines demokratischen „Wandels der Intimität“ bis zur Apotheose der Liebe als „Nachreligion der Moderne“. Das Seminar setzt (soziologisch) bescheidener an und interessiert sich im Anschluss an die Studien Niklas Luhmanns für Liebe nicht als Gefühl, sondern als „Kommunikationsmedium“, das „darüber informiert, wie man in Fällen, wo dies eher unwahrscheinlich ist, dennoch erfolgreich kommunizieren kann“. In den Blick genommen werden soll mithin die konkrete Praxis der Kommunikation von und über Liebe, die sich dem soziologischen Beobachter in der modernen Gesellschaft allerorts darbietet – in den Massenmedien ebenso wie im Beziehungsalltag und, nicht zuletzt, im soziologischen Diskurs selbst. Geschult werden sollen dabei nicht nur die Kompetenz im Umgang mit theoretischen Texten zu einem soziologischen Spezialthema, sondern vor allem auch ein empirischer Blick auf die Kommunikationsprozesse – auf plausible Sprechweisen, mögliche Darstellungsformen, kommunikative Techniken und funktionierenden Anschlusslogiken — durch die sich Liebe als „ganz normale Unwahrscheinlichkeit“ in der modernen Gesellschaft behauptet.

Seminar: Theorie II: Einführung in die Kultursoziologie: Unterschiede (unter Mitarbeit von Jakob Schrenk)

Do 16-18 Uhr, Kon 309

Als common sense eines modernen Verständnisses des Kulturbegriffs gilt vermutlich die Idee der Variabilität von kulturellen Formen und deren Legitimität. Dass Franzosen anders sind als Engländer, Westfalen sich von Bayern unterscheiden und Studierende der Soziologie anders aussehen als solche der Jurisprudenz erscheint aus dieser Perspektive wahlweise als Kuriosum – wenn darüber im Fernsehen berichtet wird – oder als Kulturkonflikt – wenn interkulturelle Kompetenz vermittelt werden soll. Über die Beobachtung von kulturellen Unterschieden hinweg entsteht aber auch die Frage nach der Erklärung dieser Unterscheidungspraxis. Am Beispiel klassischer Studien zum Symbolgebrauch, zur Distinktion, zur Entstehung von kulturellen Identitäten soll eben dieser Praxis der Unterscheidung nachgegangen werden, sollen Theorien der Herstellung von Unterschieden miteinander verglichen werden. Diese Übung empfiehlt sich als Vorbereitung für Hauptseminare mit dem Schwerpunkt Kultursoziologie, aber auch für diejenigen, die eine Diplomarbeit in diesem Bereich vorbereiten. Es werden klassische Texte zur Kultursoziologie gelesen, die im weiteren Studium zumeist vorausgesetzt werden.Die Anmeldung erfolgt per Mail.

Übung: Forschungsorientierte Vertiefung zu den Hauptseminaren

Mi 10-12 Uhr, Kon 301

Begleitend zu den Hauptseminaren am Lehrstuhl Nassehi findet in dieser Übung eine forschungsorientierte Vertiefung des Lehrstoffs statt. Ziel einer solchen vertiefenden Begleitung der Hauptseminare ist die Verknüpfung der Präsentationsthemen mit Fragestellungen einer darauf aufbauenden Forschung. Von dieser Verknüpfung von Seminarthemen mit eigenen Forschungsprojekten versprechen wir uns eine systematischere Einübung in Techniken der empirischen Sozialforschung und eine zielgerichtetere Vorbereitung auf Diplomarbeiten. Die Teilnahme erfolgt begleitend zu den Hauptseminaren. Näheres dazu wird in den Hauptseminaren besprochen.

Diplomandenkolloquium

Fr 8-10 Uhr, Kon 308

Diplomarbeiten müssen letztlich von jedem Diplomanden selbst geschrieben werden und die meisten Fehler, die man dabei macht, sind vermutlich unvermeidbar. Wir haben jedoch den Eindruck, dass es zumindest ein paar Fehler gibt, die nicht jeder wiederholen muss, weswegen wir gerne Kompetenzen – vorhandene und frisch erworbene – besser nutzen möchten. Zur besseren Unterstützung in dieser speziellen Situation im Studium bieten wir für Diplomandinnen und Diplomanden des Lehrstuhls eine systematische Form der Betreuung an. Entscheidender Bestandteil dieser Diplomandenbetreuung ist eine Förderung der Zusammenarbeit in Gruppen, weswegen wir Sie in eine DiplomAG stecken werden. Wir sehen dieses Angebot jedoch nicht nur als Hilfe zur Selbsthilfe, sondern auch als Gelegenheit zur Einübung eines Blicks über den Tellerrand des eigenen Themas hinaus. Zu Beginn des Semesters werden – themen- bzw. methodenbezogen – alle Diplomanden in Gruppen von 2 bis 5 Personen eingeteilt. In diesen DiplomAGs findet dann eine gemeinsame weitere Beratung statt.

Diplomandenworkshop

Fr 16-20 Uhr und nach Vereinbarung; Kon 308

Viele Fragen, die während einer Diplomarbeit auftreten, betreffen organisatorische Themen, die am besten von jemandem beantwortet werden können, der selber gerade erfolgreich diese ersten Schritte hinter sich gebracht hat. Um sowohl der Situation von Diplomanden besser gerecht zu werden als auch um diese studentische Expertise besser nutzen zu können, finden Workshops statt, die von einem erfahrenen Diplomanden als Tutor betreut werden. Wir versprechen uns von dieser Veranstaltungsform eine Unterstützung der studentischen Diskussionskultur. Dieser Tutor bzw. diese Tutorin hat vor allem die Aufgabe, Treffen zu organisieren und dazu anzug-regen, dass die Teilnehmer der DiplomAG lernen, ihr Thema systematisch zu entfalten und es untereinander zu diskutieren. Eine konkretere Arbeit am zugrunde liegenden Material der jeweiligen Studie ist wünschenswert.

Sommersemester 2005

Hauptseminar: Asymmetrie. Problem und Lösung (gemeinsam mit Armin Nassehi)

4std mit Arbeitsgruppen, Mi 8-10 und nach Vereinbarung, Kon 309

Wie kommt die Ungleichheit in die Welt? Das wohl größte Versprechen der Moderne war das Versprechen der Überwindung von Asymmetrien. Die Herstellung symmetrischer Verhältnisse gilt als große Verheißung sowohl der Politik („Demokratie“), der Ökonomie („Liberalismus“), als auch der Kultur („Kultur als universaler Partikularismus“), der Gattung („der Mensch“) usw. Konsequenter Weise sind die klassischen Kritikformen der gesellschaftlichen Moderne Asymmetriekritiken, die man dem wohlfahrtsstaatlichen Diskurs ebenso entnehmen kann wie der Kritik an Expertokratie und der Kritik am kulturellen Ressentiment. Ein typisches Produkt dieser Debatte ist die symmetrisierende Authentizitätsunterstellung auch noch gegenüber einer Asymmetrien behauptenden kulturalisierten Rede. Die Moderne bringt nicht nur Anerkennung hervor, sondern sogar die Anerkennung der Anerkennung, wie es in Hegels Rechtsphilosophie heißt. Ein Blick jenseits dieser Erzählung stößt freilich unweigerlich auf eine stabile „Praxis der Asymmetrie“ in der Moderne – eine Praxis, die erst die normative Aufladung von Sym­metrien verständlich macht. Das Hauptseminar wird in theoretischer und empirischer Perspektive dieser Praxis auf den Grund gehen, ihre Funktionen und Folgen bestim­men und dabei viel über die Soziologie lernen, die sich selbst immer wieder in die asymmetrische Position des Asymmetriekritikers gebracht hat. Und ungewollt wird man noch lernen, wie sehr es stets asymmetrische Verhältnisse waren, die das autonome, vernünftige und egalitäre Subjekt hervorgebracht haben, das sich dann über Asymmetrien beklagt.

Hauptseminar: Zwischen Leben und Tod. Philosophische und soziologische Zugänge zu bioethischen Themen (zusammen mit Dr. Stephan Sellmaier)

2std, Do 18-20, Kon 309

Im Rahmen dieser interdisziplinären Veranstaltung sollen – wie es der Titel bereits ankündigt – philosophische und soziologische Zugänge zu aktuellen Themen der Bioethik diskutiert werden. Die Begründung für einen interdisziplinären Zugang ergibt sich aus der Beobachtung einer zunehmenden Verunsicherung der Expertise im Umgang mit den klassischen Fragen zur Sicherung der Integrität des menschlichen Lebens. Unübersehbar ist, wie sich forschungstechnische Überlegungen zum Umgang mit Stammzellen auch auf die Frage nach dem Beginn des Lebens auswirken. Anleitungen zur Dokumentation des Patientenwillens beeinflussen die Praxis des Sterbens, die nun in einer Öffentlichkeit stattfindet und sich dem Anspruch des „guten Sterbens“ ausgesetzt sieht. Auch die Konsequenzen, die sich neuen Kompetenzen der Gentechnik verdanken, lassen sich bereits jetzt an veränderten Erwartungshaltungen ablesen. In einer Kombination aus klassischen philosophischen Positionen der Ethik und empirischen soziologischen Studien werden ausgewählte Fallbeispiele der Bioethik diskutiert. Der interdisziplinäre Mehrwert dieser Veranstaltung ergibt sich aus der Positionierung dieser Themen. Sie sollen – philosophisch – sowohl die Theorie einer verunsicherten ethischen Praxis als auch – soziologisch – die soziale Praxis einer zunehmenden Ethisierung dessen, was klassisch als existentielle Frage gehandelt wurde, beleuchten.

Seminar: Theorie III: Reflexive Modernisierung – systemtheoretisch gelesen

2std, Do 16-18, Kon 309

Die Plausibilität einer Theorie der reflexiv werdenden Modernisierung, einer Modernisierung also, die es zunehmend mit den Nebenfolgen vormals zentraler Konzepte der Moderne zu tun bekommt, ist unbestritten – zumindest wenn man die erfolgreiche Durchsetzung des damit verbundenen Vokabulars zum Maßstab macht. Wie kaum eine andere Theorie findet sich jedoch dieser Ansatz einer manchmal fast schon maßlosen Kritik ausgesetzt, die vielleicht unfreiwillig mehr über das unbestritten zeitdiagnostische Potential der Theorie aussagt, als sie will. Die trotzige Behauptung von Wahrheiten durch die Kritiker dieses Programms findet in einer Welt der Massenmedien statt, die schon im nächsten Moment diese Wahrheit wieder aus den Augen verliert. Im Rahmen dieser Übung sollen Potentiale und Probleme dieser Theorie näher beleuchtet werden. Die Konzeption folgt der Vermutung, dass sich viele Anliegen der Theorie reflexiver Modernisierung besser in systemtheoretischen Begrifflichkeiten ausdrücken lassen, sie aber damit leider auch wiederum unverständlicher werden. Teilnehmer dieser Veranstaltung lernen sowohl etwas über die zentralen Ansätze der Theorie reflexiver Modernisierung als auch über die Systemtheorie.

Übung: Forschungsorientierte Vertiefung zu den Hauptseminaren

Begleitend zu den Hauptseminaren am Lehrstuhl Nassehi findet in dieser Übung eine forschungsorientierte Vertiefung des Lehrstoffs statt. Ziel einer solchen vertiefenden Begleitung der Hauptseminare ist die Verknüpfung der Präsentationsthemen mit Fragestellungen einer darauf aufbauenden Forschung. Von dieser Verknüpfung von Seminarthemen mit eigenen Forschungsprojekten versprechen wir uns eine systematischere Einübung in Techniken der empirischen Sozialforschung und eine zielgerichtetere Vorbereitung auf Diplomarbeiten. Die Teilnahme erfolgt begleitend zu den Hauptseminaren. Näheres dazu wird in den Hauptseminaren besprochen.

Diplomandenkolloquium

Fr 8-10 Uhr

Diplomarbeiten müssen letztlich von jedem Diplomanden selbst geschrieben werden und die meisten Fehler, die man dabei macht, sind vermutlich unvermeidbar. Wir haben jedoch den Eindruck, dass es zumindest ein paar Fehler gibt, die nicht jeder wiederholen muss, weswegen wir gerne Kompetenzen – vorhandene und frisch erworbene – besser nutzen möchten. Zur besseren Unterstützung in dieser speziellen Situation im Studium bieten wir für Diplomandinnen und Diplomanden des Lehrstuhls eine systematische Form der Betreuung an. Entscheidender Bestandteil dieser Diplomandenbetreuung ist eine Förderung der Zusammenarbeit in Gruppen, weswegen wir Sie in eine DiplomAG stecken werden. Wir sehen dieses Angebot jedoch nicht nur als Hilfe zur Selbsthilfe, sondern auch als Gelegenheit zur Einübung eines Blicks über den Tellerrand des eigenen Themas hinaus. Zu Beginn des Semesters werden – themen- bzw. methodenbezogen – alle Diplomanden in Gruppen von 2 bis 5 Personen eingeteilt. In diesen DiplomAGs findet dann eine gemeinsame weitere Beratung statt.

Diplomandenworkshop

Fr 16-20 Uhr und nach Vereinbarung

Viele Fragen, die während einer Diplomarbeit auftreten, betreffen organisatorische Themen, die am besten von jemandem beantwortet werden können, der selber gerade erfolgreich diese ersten Schritte hinter sich gebracht hat. Um sowohl der Situation von Diplomanden besser gerecht zu werden als auch um diese studentische Expertise besser nutzen zu können, finden Workshops statt, die von einem erfahrenen Diplomanden als Tutor betreut werden. Wir versprechen uns von dieser Veranstaltungsform eine Unterstützung der studentischen Diskussionskultur. Dieser Tutor bzw. diese Tutorin hat vor allem die Aufgabe, Treffen zu organisieren und dazu anzuregen, dass die Teilnehmer der DiplomAG lernen, ihr Thema systematisch zu entfalten und es untereinander zu diskutieren. Eine konkretere Arbeit am zugrunde liegenden Material der jeweiligen Studie ist wünschenswert.

Wintersemester 2004/2005

Hauptseminar: „Kultur“: Die Geburt einer neuen Metaphysik? (gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Nassehi)

4std mit Arbeitsgruppen, Mi 8-10 und nach Vereinbarung, Kon 309

Während die Behauptung der Unterschiedlichkeit von Kulturen in weltpolitischen Krisen ihre Rechtfertigung findet, bleibt doch ungeklärt, was das Kulturelle am kulturellen Unterschied ausmacht. Auch der diesjährige Soziologentag scheint sich – folgt man seinem Motto – mit dem Begründungsmuster des kulturellen Unterschieds und seiner heiligen Einfalt schlicht abgefunden zu haben, statt sich wenigstens so viel intellektuelle Distanz zu gönnen, das Begründungsmuster selbst als soziologisches Datum verwenden zu können. Wenn man sich mit Richard Rorty dafür interessiert, wie eine Gesellschaft an sich erlebt, dass Sätze nur Sätze sind und keine Wahrheiten, wird man auf eine Fährte gelockt, die zwischen metaphysischen Theorien einerseits und Erzählungen andererseits unterscheidet. Als metaphysisches Erbe qualifizieren Theorien, dass sie „an eine Ordnung jenseits von Zeit und Veränderung (glauben), die festsetzt, worauf es im Leben ankommt, und eine Hierarchie der Verpflichtungen einrichtet“ (Richard Rorty). Während diese Unterscheidung auf den ersten Blick die vielfältigen literarischen Erzählungen des kulturellen Unterschieds zu promovieren scheint, wird doch gleichzeitig auch sichtbar, wie sich die Bereitschaft zur Anerkennung des Kulturellen über eben jene Unterstellung eines Überzeitlichen und Veränderungsresistenten ergibt, die als metaphysisches Interesse nun im Argument der Kultur neu geboren werden. Dem Verdacht einer neuen soziologischen Metaphysik, nämlich der des Kulturellen, werden wir im Laufe der Veranstaltung weiter nachgehen. Dazu werden wir uns mit zwei vielleicht gar nicht so gegensätzlichen Linien der Kulturkritik auseinandersetzen: Sowohl mit den konservativen Verfechtern einer Kulturkritik (Schmitt, Gehlen, Adorno u.a.) als auch mit den Verteidigern des Multikulturalismus (Said, Bhabha, Beck u.a.). Ein Vergleich mit den aktuellen Argumenten zur Renaissance der Kultur bietet sich zum Schluss an.

Hauptseminar: Hauptseminar: Priester, Gläubige und Götter: Protagonisten einer postsäkularen Gesellschaft

2std, Di 16-18 Uhr, Kon 308

Die Frage danach, ob es eine Wiederkehr des Religiösen gibt oder nicht, scheint entschieden zu sein. Einer Diagnose von Jürgen Habermas zufolge leben wir in einer „postsäkularen Gesellschaft, die sich auf das Fortbestehen religiöser Gemeinschaften in einer sich fortwährend säkularisierenden Gesellschaft einstellt“. In diesem Seminar wird es um die Frage danach gehen, was eigentlich das Religiöse des Religiösen ausmacht. Was passiert, wenn die Wahrheit „offenbart“ wird, wer ist autorisiert sie zu verkünden und in welcher Form kommt sie daher? Was passiert mit religiösen Wahrheiten, wenn sie versprachlicht werden? Obwohl klassische Texte und auch aktuelle Auseinandersetzungen im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen, wird auch anhand von unterschiedlichem Material (etwa Texte von Joseph Kardinal Ratzinger, Interviews mit Priestern, Gläubigen oder „Medien“, Feng-Shui-Ratgebern, Yogabüchern und nicht zuletzt Bekehrungserlebnissen von G.W. Bush) nach Kommunikationsmustern gesucht, in denen sich die Überzeugungsfähigkeit religiöser Sätze von alleine ergibt. Zu klären wäre dann in einem zweiten Schritt, worin denn diese Überzeugungsfähigkeit besteht. Dieses Seminar bietet Studierenden die Gelegenheit, selbst einmal mit empirischem Material zu experimentieren. Das methodische Handwerkszeug wird dabei nicht vorausgesetzt, sondern gemeinsam erarbeitet. Besonders für angehende Diplomanden ist dies natürlich ein attraktives Angebot.

Sommersemester 2004

Hauptseminar: Neue Sicherheiten. Körper, Gene, Personen (gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Nassehi)

4std mit Arbeitsgruppen, Mi 8-10 und nach Vereinbarung, Kon 309

Während Soziologen sich über die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit verständigen, sind hinter ihrem Rücken Erklärungsmuster entstanden, die eben jene Konstruktionsprozesse in die Schranken des Biologischen verweisen wollen. Das Interesse an inszenierter Körperlichkeit lässt sich in diesen Diskursen kaum noch von der Behauptung trennen, dass es sich beim Körper um eine dem Sozialen vorausgehende Kategorie handele. Der Verweis auf eine genetische Codierung scheint längere Auseinandersetzung über die Entstehung von asymmetrischen Sozialformen überflüssig zu machen: Männer sind eben so. Mit dieser Reifizierung des Außersozialen lässt sich eine Zurechnungspraxis beobachten, die von Sichtbarkeit auf Fakten schließt und die in einen Begriff des Sozialen mündet, der mit dem sichtbaren Gegenüber (Personen) auch den Bezugspunkt sozialer Praxis identifiziert. Unter anderem an der Debatte über einen möglichen Patientenwillen, der das Sterben regeln soll, wollen wir beispielhaft untersuchen, wie sich diese Zurechnungsformen bewähren. Ziel des Seminars ist es nicht, einen abstrakten Diskurs über Konstruktivismus, gar den gar nicht so radikalen „radikalen“ Konstruktivismus zu führen, sondern den neuen Plausibilitäten des Körpers (bis in soziologische Theoriebildung hinein), der Gene (bis zur Theodizee des Unveränderlichen) und der Person (als wieder neuem Mythologem) nachzuspüren.

Wintersemester 2003/2004

Hauptseminar: : Theorie der bürgerlichen Gesellschaft (gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Nassehi)

4std mit Arbeitsgruppen, Mi 8-10 und nach Vereinbarung, Kon 309

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sei ein Hauptseminar dieses Titels von rein historischem Interesse. Mitnichten soll es aber um eine historische Gesellschaftsform gehen. Vielmehr soll im Seminar gezeigt werden, wie sehr sowohl die gegenwärtige Gesellschaft als auch ihre öffentliche und nicht zuletzt ihre sozialwissenschaftliche Reflexion auf Kategorien zurückgreift, die jenem historischen Syndrom entstammen, das als „bürgerliche Gesellschaft“ den Anfang moderner Gesellschaftlichkeit markiert. Debatten über die Unterscheidung von Privatem und Öffentlichem entstammen „bürgerlichen“ Diskursen ebenso wie der neu anwachsende Diskurs über „Bildung“. Die „authentische Rede“ des „individualisierten Individuums“ ist ebenso eine „bürgerliche“ Erwartung (nicht zuletzt in der qualitativ-empirischen Sozialforschung), wie die Idee der „Gestaltung“ der sozialen Welt seine theoretischen Wurzeln in jener Erscheinung hat, die wir die „bürgerliche Gesellschaft“ nennen und die in „bürgerlichen“ Revolutionen den „Nationalstaat“ hervorgebracht hat. Und auch der angeblich modernste aller modernen Diskurse, die Unterscheidung nationaler und kosmopolitischer, nationalbürgerlicher und weltbürgerlicher Perspektiven, ist ohne seine historische Genese nicht wirklich zu verstehen. Meist aber bleibt es bei der bloßen Äquivokation von Begriffen. Ziel des Hauptseminars ist es, einerseits die sozial- und ideengeschichtlichen Wurzeln des Konzepts der „bürgerlichen Gesellschaft“ herauszuarbeiten und diese andererseits mit ihrer aktuellen Erscheinungsform zu konfrontieren.

Seminar: Theorie II: Einführung in die Kultursoziologie: Unterschiede (unter Mitarbeit von Anja Findeiß)

nur für Hauptfachstudierende der Soziologie, 2std, Di 16-18, Kon 108

Als common sense eines modernen Verständnisses des Kulturbegriffs gilt vermutlich die Idee der Variabilität von kulturellen Formen und deren Legitimität. Dass Franzosen anders sind als Engländer, Westfalen sich von Bayern unterscheiden und Studierende der Soziologie anders aussehen als solche der Jurisprudenz erscheint aus dieser Perspektive wahlweise als Kuriosum – wenn darüber im Fernsehen berichtet wird – oder als Kulturkonflikt – wenn interkulturelle Kompetenz vermittelt werden soll. Über die Beobachtung von kulturellen Unterschieden hinweg entsteht aber auch die Frage nach der Erklärung dieser Unterscheidungspraxis. Am Beispiel klassischer Studien zum Symbolgebrauch, zur Distinktion, zur Entstehung von kulturellen Identitäten soll eben dieser Praxis der Unterscheidung nachgegangen werden, sollen Theorien der Herstellung von Unterschieden miteinander verglichen werden. Diese Übung empfiehlt sich als Vorbereitung für Hauptseminare mit dem Schwerpunkt Kultursoziologie, aber auch für diejenigen, die eine Diplomarbeit in diesem Bereich vorbereiten.

Sommersemester 2003

Seminar: Theorie I: Überblick über soziologische Theorien

2std, Di 18-20, Kon 308

Diese Einführungsveranstaltung bietet einen Überblick über soziologische Theorien. Neben der Vermittlung von Lehrbuchwissen wird es jedoch vornehmlich um die Einübung soziologischen Denkens gehen. Die Teilnehmer sollten am Ende der Übung in der Lage sein, soziologische Ansätze von Max Weber, Talcott Parsons, George H. Mead u.a. eigenständig einzuordnen.

Seminar: Soziologische Theorie, soziologisches Wissen, soziologische Forschung (gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Nassehi)

4std mit Arbeitsgruppen, Mi 8-10 und nach Vereinbarung, Kon 309

Wie entsteht wissenschaftliches Wissen, in unserem Fall: soziologisches Wissen? Wie verhalten sich theoretische Konstrukte und das Wissen über die Gegenstände der Soziologie zueinander? Inwiefern ist empirische Forschung von theoretischen Vorentscheidungen abhängig, und inwiefern sind es diese von jener? Was qualifiziert soziologisches Wissen als gültig? Und wer kann das sehen? Und wer nicht?

Auf solche merkwürdigen Fragen versucht dieses Hauptseminar eine Antwort zu geben. Gegenstand des Seminars ist die Frage, wie soziologisches Wissen entsteht, wer soziologisches Wissen braucht und warum es so schwierig ist, das soziologisch als gültig Erkannte „in der Praxis“ zu implementieren. Das Seminar wird sich diesen Fragen sowohl theoretisch, epistemologisch und historisch nähern als auch an empirischen Fällen testen, wie soziologisches Theoretisieren und soziologische Forschung zu soziologischem Wissen kommt. Es geht dabei nicht zuletzt um praktisch-empirische Erfahrungen, um das, was Studierende der Soziologie anstreben: Soziologie als Beruf.

Weitere Lehrveranstaltungen an der LMU München

  • Wintersemester 2002/2003
    • Theorie III: Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns
    • Differenzierungstheorien (Hauptseminar mit Armin Nassehi)
  • Sommersemester 2002
    • Methoden und Techniken der empirischen Sozialforschung III
    • Religion und Politik (Hauptseminar mit Armin Nassehi)
  • Wintersemester 2001/2002
    • Normen und Werte (Theorie II-Übung)
    • Soziologie der Ethik (Hauptseminar mit Armin Nassehi)
  • Sommersemester 2001
    • Zeitdiagnose und Theorie (Theorie II-Übung)
    • Überblick über soziologische Theorien (Theorie I)
  • Wintersemester 2000/2001
    • Überblick über soziologische Theorien (Theorie I)
    • Wo bleibt das Negative? Kritische Theorie auch nach dem 20. Jahrhundert! (Hauptseminar mit Armin Nassehi)

  • Sommersemester 2000
    • Überblick über soziologische Theorien (Theorie I)
    • Methoden und Techniken der empirischen Sozialforschung III

  • Wintersemester 1999/2000
    • Einführung in Theorie, Methodologie und Praxis der Biographieforschung (Übung mit Susanne Brüggen)

Lehrveranstaltungen am Institut für Soziologie der WWU Münster

  • Sommersemester 1998
    • Meine Generation – Deine Generation. Eine Einführung in die Altersgruppen-Soziologie
  • Wintersemester 1998
    • Aktiv, ausgegrenzt, erfolgreich und funktionslos im Alter. Zum Zusammenhang von soziologischen Theorien und Altersbildern
    • Jugenddelinquenz – Einführung in die Devianzsoziologie

Am Institut für angewandte Kulturwissenschaften der WWU Münster

  • Wintersemester 1998
    • „Qualitätssicherung“ und „Organisational Change“. Sind Veränderungen in Organisationen tatsächlich möglich?

Am Institut für Soziologie und Sozialpädagogik der WWU Münster

  • Sommersemester 1996
    • Struktur der Altenhilfe in der modernen Gesellschaft: Theorien, Organisationen, Modelle
  • Wintersemester 1995/1996
    • Alter und Altern in unterschiedlichen Gesellschaften: Sozialhistorische und soziologische Aspekte (mit Prof. Weber)
  • Sommersemster 1995
    • Alter und Altern bei ausgewählten soziologischen Klassikern
  • Wintersemster 1994/1995
    • Altern – Ein biographisches Datum oder Fatum?
  • Sommersemester 1994
    • Zur Misere von Alterns- und Alterstheorien: Soziologische Analyse und sozialpädagogische Konsequenzen (mit Prof. Weber)
  • Wintersemster 1993/1994
    • Ist den Alten noch zu helfen? – Neuere Theorien der Alternsforschung und Konzepte der Altenarbeit (mit Prof. Weber)