Alternsforschung

Alternsforschung / Soziologie

Das Besondere an der Alternsforschung ist, dass sie sich für eine gesellschaftliche Gruppe interessiert, die eigentlich gar nicht als alt gelten will. Je mehr die Alternsforschung sich bemüht, sichtbar zu machen, wie hilfebedürftig alte Menschen sind, desto mehr verweigert sich ihr ihre Klientel.

Dass dies so ist, lässt sich darüber erklären, dass Alter eine kontinuierliche Variable ist. Man wächst im Lebensverlauf ins Älterwerden hinein, kann sich darin aber eigentlich nicht wiedererkennen. Insofern unsere modernen Selbstbeschreibungen verzeitlicht sind, also biographisch, ist ihnen die Adressierung als alt immer per se unvertraut. Den größten Teil unseres Lebens sind wir eben nicht als alt angeredet worden.

Dass die moderne Gesellschaft Seniorität prinzipiell abwertet und Jugendlichkeit aufwertet, verschärft die Problematik, insofern die Abwehr der Kategorie Alter durch die alten Menschen selbst nun als Flucht erscheint.

Vielversprechender als eine Problematisierung der Kategorie des Alters ist aus diesem Grund vielleicht die empirische Untersuchung, wie und in welchen Kontexten Menschen als alt angesprochen werden. Sichtbar wird dabei, dass alte Menschen oft gar nicht als alte Menschen inkludiert werden. Aber auch dass die Inklusion qua Alter nicht nur über Hilfebedürftigkeit erfolgt.

Abels, Heinz; Honig, Michael-Sebastian; Saake, Irmhild; Weymann, Ansgar 2008: Lebensphasen. Hagener Studientexte zur Soziologie. Wiesbaden: VS-Verlag.
Saake, Irmhild 2006: Die Konstruktion des Alters. Eine gesellschaftstheoretische Einführung in die Alternsforschung. VS-Verlag, Reihe Hagener Studientexte zur Soziologie.
Saake, Irmhild 1998: Theorien über das Alter. Konstruktivistische Perspektiven der Alternsforschung. Opladen.
Saake, Irmhild 2008: Bereichsrezension Alternsforschung, in: Soziologische Revue 31, S. 305-313.
Saake, Irmhild 2002: Wenig Neues vom Alter. Ein systemtheoretischer Ausweg aus gerontologischen Denkschleifen. In: Dallinger, Ursula; Schroeter, Klaus R. (Hg.): Theoretische Beiträge zur Alternssoziologie. Opladen. S. 275-297.
Saake, Irmhild 2001: Über die Null-Bock-Alten von heute und das Scheitern des gerontologischen Programms. In: Soziologische Revue 24, 1, S. 58-68.
Saake, Irmhild 2000: Alternsforschung und grand theory: Zwei unvereinbare Perspektiven aufs Alter. In: Ethik und Sozialwissenschaften 11, 3, S. 460-462.
Richter, Dirk; Saake, Irmhild 1996: Die Grenzen des Ganzen. Eine Kritik holistischer Ansätze in der Pflegewissenschaft. In: Pflege 9, 3, S. 171-180.
Saake, Irmhild 1996: Alternde Migranten. Eine neue Zielgruppe der Altenhilfe? In: Nassehi, Armin (Hg.): Nation, Ethnie, Minderheit. Beiträge zur Aktualität ethnischer Konflikte. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, S. 133-152.