Symmetrie/Asymmetrie

Ethik / Soziologie
Irmhild Saake

Dass wir uns alle als ungleich empfinden, macht uns zu Mitgliedern einer modernen Gesellschaft. Modern sind wir, weil wir Zeitgenossen einer Gesellschaft sind, die ihre Besonderheit darin sieht, ständische Strukturen hinter sich zu lassen. Das erscheint uns heute so selbstverständlich, ist aber – wenn man zurückschaut – doch erklärungsbedürftig, weil ja Unterschiede zwischen reichen und armen Menschen, zwischen Adeligen und Bauern, zwischen Männern und Frauen, zwischen Zivilisierten und Barbaren, die jedes Kind sehen konnte, für irrelevant erklärt wurden.

Das Emanzipationsversprechen der modernen Gesellschaft reaktualisiert sich in solchen Sätzen wie diesen ständig wieder neu. Wer dies liest, fragt sich sofort, ob all die Gleichheiten auch da sind. Sind sie nicht.

In meinen Studien beschäftige ich mich mit der Fragestellung, wie ein modernes Ungleichheitsempfinden funktioniert. Mit Hilfe der Begriffe Symmetrie und Asymmetrie rekonstruiere ich sowohl moderne Gleichheitspostulate als auch deren Grenzen.

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Alternsforschung

Alternsforschung / Soziologie

Das Besondere an der Alternsforschung ist, dass sie sich für eine gesellschaftliche Gruppe interessiert, die eigentlich gar nicht als alt gelten will. Je mehr die Alternsforschung sich bemüht, sichtbar zu machen, wie hilfebedürftig alte Menschen sind, desto mehr verweigert sich ihr ihre Klientel.

Dass dies so ist, lässt sich darüber erklären, dass Alter eine kontinuierliche Variable ist. Man wächst im Lebensverlauf ins Älterwerden hinein, kann sich darin aber eigentlich nicht wiedererkennen. Insofern unsere modernen Selbstbeschreibungen verzeitlicht sind, also biographisch, ist ihnen die Adressierung als alt immer per se unvertraut. Den größten Teil unseres Lebens sind wir eben nicht als alt angeredet worden.

Dass die moderne Gesellschaft Seniorität prinzipiell abwertet und Jugendlichkeit aufwertet, verschärft die Problematik, insofern die Abwehr der Kategorie Alter durch die alten Menschen selbst nun als Flucht erscheint.

Vielversprechender als eine Problematisierung der Kategorie des Alters ist aus diesem Grund vielleicht die empirische Untersuchung, wie und in welchen Kontexten Menschen als alt angesprochen werden. Sichtbar wird dabei, dass alte Menschen oft gar nicht als alte Menschen inkludiert werden. Aber auch dass die Inklusion qua Alter nicht nur über Hilfebedürftigkeit erfolgt.

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Medizinsoziologie: Tod und Sterben

Medizinsoziologie / Soziologie

Bekanntlich lässt sich der Tod nicht untersuchen, nur unseren Umgang mit ihm können wir erforschen. Die Medizinsoziologie versammelt eine Reihe von Themen, die sich typischerweise als Beispiele für starke Asymmetrien in unserer Gesellschaft lesen lassen. Der Tod gehört dazu, der körperliche Schmerz, aber auch die Figur des dominanten Arztes. In allen Fällen lassen sich Symmetrisierungspraktiken beobachten, die diese Asymmetrien wieder aufheben sollen.
Interessanter als die „Heilung“ dieser Asymmetrien ist vielleicht die Frage nach ihrer Funktion. Die Erforschung dieser „Performanz des Medizinischen“ führt auf die Fährte einer geradezu schamanischen Heilkraft dieser Asymmetrie zwischen Arzt und Patient.

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Theoriedebatten: Denkfiguren

Soziologie

Wenn man Klassiker liest, bekommt man es automatisch mit der Frage zu tun, was an einem Klassiker jeweils das Besondere ist. Armin Nassehi und ich lesen Klassiker im Hinblick auf ihre Denkfiguren. Jede Theorie greift auf eine spezifische Semantik ihrer Zeit zurück und kann somit auch nur beschreiben, was bereits sagbar ist. Bei der Interpretation kommt es manchmal dementsprechend gar nicht so auf die konkreten Sätze an, sondern darauf, welche Denkbewegung sich mit ihnen durchführen lässt.
Wir würden einerseits zwischen einem Bezugsproblem und andererseits einer Denkfigur unterscheiden. Wie wird das soziale Phänomen, das beschrieben wird, verstanden? Was kann man sehen, wenn man so denkt, wie die Theorie vorschlägt?

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